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All Inklusive


Der besondere Weg zum Heideradcup 2020

Unser Sportverein Diakonie feiert nächstes Jahr sein 10-Jähriges Bestehen. Grund genug, um zurückzuschauen und ruhig einmal alles zu hinterfragen. Sportliche Highlights, tolle Begegnungen mit wunderbaren Menschen und emotionale Momente gab es genügend und könnten mittlerweile ein ganzes Buch füllen. Voller Dankbarkeit schauen wir auf eine wundervolle Zeit zurück.

Es ist auch mal an der Zeit auf die nebensportlichen Dinge zu schauen. Gegründet worden ist der Verein SV Diakonie mit dem Slogan – Aktiv Inklusiv. Ein gut gemeinter Leitsatz. Doch geht das überhaupt? Ist das nicht vielleicht sogar ein Widerspruch in sich? Hat das überhaupt noch was mit Inklusion zu tun?

Was Inklusion bedeutet, braucht man ja niemanden mehr zu erklären. Die Frage ist wohl eher, was es nicht bedeutet.

Wenn man es mal ein bisschen aufdröselt, gibt es nichts und niemanden auf dieser Welt der Inklusion „erschafft“ oder „betreibt“.

Kein Verein, Unternehmen, Partei oder selbst das beste und ausgeklügeltste Konzept kann dies von sich behaupten. Unter dem Motto „Werde Mitglied, zahle Deinen Beitrag und Du erhältst Inklusion und noch vieles mehr.“

Richtig ist auch, dass Jeder seinen Teil dazu beitragen kann. Der eine mehr, der andere weniger. Und wenn alle gut miteinander vernetzt sind, dann umso mehr.

Es ist auch ein gesellschaftlicher Auftrag, der eben auch kein Ziel vorgibt und nicht zum „Normalen“ hinführt, sondern den Menschen so akzeptiert wie er ist.

Manchmal ist es gut zurückzuschauen, um die Unterschiede zu erkennen, die es gestern noch gab und heute nicht mehr. Daran zeigt sich, ob der Weg der Richtige ist auf dem man sich gemeinsam befindet.

Am Sonntag, den 27.09. hatte das Radteam vom Sportverein Diakonie das Privileg, an einem der wenigen Rennveranstaltungen im Jahr 2020 teilnehmen zu dürfen. So durften wir beim 10. Heideradcup in Torgau starten und uns zu sechst auf die 70km- Strecke begeben.

Mit dabei im Diakonie- Dress: Marcel K. aus Markkleeberg.

Herr K. lebt in einer eigenen Wohnung und wird ambulant betreut. Die Betreuung läuft über den Wohnverbund „Katharina von Bora“.

Schon vorher lebte Herr K. in der Wohnstätte des Wohnverbundes, fährt schon immer gerne Fahrrad und lässt sich für Sport sehr begeistern.

An sportlichen Angeboten des Wohnverbundes, z.B. am Winter-Hallentraining im Werner- Vogel- Schulzentrum oder Radtouren um den Cospudener See, nimmt Herr K. seit Jahren teil. Außerdem läuft er jedes Jahr für das Projekt „Mittendrin in Markkleeberg“ - beim „Mukolauf“ - mit. Auch an Fußballturnieren der Wohnverbunde in Borsdorf und Panitzsch nimmt Herr K. seit jeher teil.

Noch im Jahr 2016 feuerte er als Zuschauer das Radteam Diakonie, am Streckenrand des Heideradcups, an. Gemeinsam mit seinem damaligen Mitbewohner*innen der Außerwohngruppe, die das schöne Wetter für einen Ausflug nach Torgau genutzt hatten. Zu diesem Zeitpunkt hatte er wohl noch nicht daran gedacht, einmal selbst mitzufahren. Als zuverlässiger Teilnehmer des „Dienstagstraining“ am Markkleeberger See mit dem Radteam Diakonie, „erarbeitete“ er sich einen Startplatz beim „Neuseen Mountainbikecup 2019“ und schnupperte zum ersten Mal „Rennluft“ auf kleinerer Distanz.

Nachdem er sich gedanklich und materiell auf Rennrad umgestellt hat, stand dem ersten Straßenrennen mit hohen Geschwindigkeiten eigentlich nichts mehr im Wege. Nur fast nichts, denn mit einer Pandemie und reihenweiser Absagen von Rennveranstaltungen, war nun wirklich nicht unbedingt zu rechnen. Umso erfreulicher war es, dass die Veranstalter vom Heideradcup ein Hygienekonzept durchbekommen haben, dass mehrere hundert Starter zuließ.

Der Erfolg an so einem Rennen lässt sich nicht unbedingt an der Platzierung ablesen, sondern ist auch an folgenden drei Punkten erkennbar:

3. Alle sind im Ziel angekommen und in der Wertung (keiner wurde vom „Besenwagen“ aufgelesen)

2. Niemand ist gestürzt, verletzt oder hatte einen technischen Defekt

1. JEDER kann teilnehmen, ob mit oder ohne Behinderung.

Ohne Training geht es natürlich nicht und der Weg dahin ist vielleicht unterschiedlich, aber das Ergebnis: Die Teilnahme = Teilhabe bleibt die gleiche!

Dennoch sind auch Ergebnisse manchmal nicht uninteressant und so muss auch erwähnt werden, dass unser „Eigengewächs“ Karl Rögner mit einer Zeit von 1:28:10 mit der Spitzengruppe ins Ziel „geflogen“ ist. Eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 44,7km/h und Platz 17 in der Gesamtwertung sind, in Anbetracht der starken Konkurrenz, schon ein starkes Signal!

Neben Karl, Christfried, Jona, Marcel und mir, startete übrigens auch Mario B. vom Wohnverbund Antonienstraße, der seinen ganz eigenen Weg in das Starterfeld gefunden hat.

Wir freuen uns auf die nächsten Highlights und auf das Jubiläumsjahr 2021. Unser Blick bleibt auf das Kreuz gerichtet, denn sonst wären alle Pläne und Mühen umsonst. Paulus formuliert in Römer 11, 36 (NGÜ 2011) passend dazu: „Gott ist es, von dem alles kommt, durch den alles besteht und in dem alles sein Ziel hat. Ihm gebührt die Ehre für immer und ewig. Amen.“

Tobias Rabe

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